Eine Spinne in der Dusche

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Es ist früher Morgen, die Sonne geht gerade auf und scheint mit ihren zugegebenermaßen etwas penetranten Strahlen durch mein Fenster, die Vögel zwitschern seit 5:42 Uhr und ich liege blinzelnd in meinem Bett, setze mich etwas schwerfällig auf und strecke lauthals gähnend die Arme von mir. Idyllischer Morgen. Ich fühle mich wie Cinderella in … Cinderella. Jedenfalls kann ich mich ausnahmsweise überwinden, aufzustehen, ohne vor lauter Unzufriedenheit alles zu hassen (ich hasse frühes Aufstehn), schnappe mir frische Wäsche und rieche vorsichtshalber daran, um sicherzugehen, dass sie auch wirklich frisch ist. Mmmmh, Frischer-Wäsche-Duft.

Der Weg einer Frau führt morgens normalerweise zuerst entweder zur Kaffeemaschine oder ins Bad. Mein Weg gilt heute zuerst dem Bad, in der Hoffnung, dass der Kaffee sich in der Zwischenzeit wie von Geisterhand selbst brüht. Drip, drip, Kaffeemaschinengeräusche! Zumindest stelle ich sie mir vor, auch wenn sie nur eine hoffnungsvolle Illusion sind.

Ich schließe mich im Bad immer ein und überprüfe das zur Sicherheit nochmal, indem ich die Türklinke runterdrücke, um festzustellen, ob auch wirklich zu ist. Jemand könnte ja im falschen Moment reinkommen und damit meine ich, wenn ich gerade meine Nasenhaare stutze oder so etwas. Oder ich rutsche vor Schreck auf einem Stück Seife aus und breche mir das Genick. Liebe Kinder, sperrt das Bad zu!

Liebevoll schmeiße ich die frische Wäsche auf den Boden, breite ein Handtuch vor der Dusche aus, sorge dafür, dass mein flauschiger Bademantel in Griffweite ist, entledige mich meiner Kleider (manchmal dusche ich auch in einem historischen Tauchanzug, weil ich mich vor meiner eigenen Nacktheit schäme) und…stecke den Kopf in die Dusche. Richtig. Zuerst der Kopf. Ich schaue nämlich an die Decke über der Dusche, um zu sehen, ob dort eine Spinne lauert, denn das ist leider zu oft der Fall und dann erschrecke ich mich während des Duschens so sehr, dass ich die ganze Zeit hinstarren muss und plötzlich auch noch unter totalem Druck stehe, möglichst schnell aus der Dusche zu hüpfen. Ich mag keine Spinnen. Zugegebenermaßen mag ich eigentlich fast gar keine Tiere (außer Katzen). Am allermeisten hasse ich Frösche/Kröten/etc., dann Spinnen, Insekten, Fische, Vögel, Lakritzschnecken. Ich finde, all diese Tiere sehen gruselig aus. Vielleicht bin ich auch einfach etwas eigen und ängstlich, aber das ändert ja nichts an den Tatsachen.

Oh ja, wo war ich?

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In der Ecke lauert eine Spinne!!!! Panik! Bitte reißen Sie die Hände hoch und laufen Sie schreiend im Kreis! Da es jedoch Morgen ist und ich sportliche Aktivität zu jeder Tageszeit verabscheue, bleibe ich äußerlich ruhig stehen und wäge meine Optionen ab…

Option #1 Nicht Duschen

Die wohl einfachste Variante. Wieso soll ich überhaupt? Ich beginne plötzlich, über den Sinn des Lebens zu philosophieren. Soll ich doch in der Arbeit/Uni ruhig stinken! Ist eh egal. Außerdem studiere ich Informatik, das fällt gar nicht auf. Oder ich sprühe mich einfach mit übertrieben viel Deo voll. Oder ich pudere meine Achselhöhlen, so wie die feine Gesellschaft das im 16. Jahrhundert mit dem ganzen Körper tat. Diese ganze übertriebene Hygiene geht mir sowieso tierisch auf den Keks. Hallo? Wasser sparen ist in der heutigen Zeit gar nicht mehr auf dem Plan, dabei ist es mehr als nicht selbstverständlich, dass wir damit einfach so rumplantschen können, wie wir uns das vorstellen. Ich würde also etwas Gutes für meine Umwelt tun. Ich wäre die Gegenspielerin von Aquaman. Ob der sich überhaupt duschen muss? Jedenfalls liegt mir diese Option am nächsten. Aber was, wenn die Spinne morgen immer noch da  ist? Und übermorgen auch? Und das ganze Jahr über noch? Ich könnte mich wohl nur noch mit Menschen, die an chronischer Nasenverstopfung leiden, anfreunden. Ein tiefes Seufzen. Okay… viele Probleme lösen sich, wenn man sie ignoriert. Bei meinem ist dies allerdings nicht ganz sicher. Also gehe ich über zu…

Option #2 Spinne töten (lassen)

Da Ignorieren eine Spinne nicht vertreibt (außer die Spinne ist sensibel und eingeschnappt, wenn ich so tue, als wäre sie nicht da) erwäge ich, die Spinne ihrer Existenz zu berauben. Im gleichen Moment, als mir das Wort „Existenz“ in den Sinn kommt, bekomme ich auch schon ein schlechtes Gewissen. Was oder wer gibt mir das Recht, die Spinne zu töten? Was ist, wenn es eine ganz liebe Spinne ist? Vielleicht hat sie sich nur verlaufen? „Töte mich nicht, ich habe eine Frau und dreißig Kinder“, würde sie in ihrer für mich nicht wahrnehmbaren Sprache flehen und schreien. Nein… sie lauert sicher und wenn ich nicht aufpasse, fällt sie mich an und beißt mir die Nase ab. Sicher bin ich mir da allerdings nicht. Ein Leben zu nehmen, auch wenn es „nur“ das einer Spinne ist… hat uns Gewalt je weitergebracht? Ich komme zum Schluss, dass ich dazu nicht berechtigt bin. Außerdem hab ich keine Fliegenklatsche zur Hand. Daher erwäge ich die letzte Option, nämlich…

Option #3 In-die-Ecke-gedrängt-duschen-und-den-Blick-nicht-von-der-Gefahr-abweichen-lassen

Zugegebenermaßen ist das die Option, die meine sorgfältigen Blicke vor dem Betreten der Dusche überflüssig werden lassen. Da ich aber weder stinken, noch töten möchte, bleibt mir wohl keine andere Wahl. Ich betrete also die Dusche, meinen Blick starr auf die Spinne gerichtet. Ich drehe das Wasser auf und bekomme langsam eine Genickstarre. Egal. Lass den Feind niemals aus den Augen!! Ich taste blind nach dem Shampoo und schmeiße das Arsenal an Duschgels von der Ablage. Autsch. Mit verkrampfendem Blick versuche ich, sie genauso blind wieder aufzuheben. Ahhh, Shampoo rinnt in mein Auge! Es brennt höllisch und ich versuche hektisch, es auszuspülen. Als ich wieder einigermaßen sehen kann und meine Aufmerksamkeit wieder dem Feind widmen möchte, stelle ich erschrocken fest, dass sie weg ist!!! Da passt man 3 Sekunden nicht auf…!! Ohne viel weiterzusuchen wasche ich mich in Rekordzeit fertig und steige mit paranoiden Blicken aus der Dusche. Gleichzeitig nehme ich mir vor, mich nächstes mal für Option #1 oder #2 zu entscheiden.

Man hat es nicht leicht als ängstlicher Mensch ohne eine Pumpgun.

Erinnert euch an meine Geschichte,

ELA

 

 

 

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11 Gedanken zu “Eine Spinne in der Dusche

  1. also ich hätte mich schon gleich für Option 2 entschieden – eine perverse Spinne, die einem beim Duschen zusieht, kann kein netter Familienvater sein!! D:

  2. Eine Option wäre noch, es mit Kommunikation zu versuchen, also die Spinne zu bitten, das Bad zu verlassen.

  3. Du machst dir zu viele umstände. Einfach töten, requiescat in pace, nicht ist wahr – alles erlaubt.

  4. Pingback: Pfui Spinne! » Blabliblog Blabliblog

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